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Eine weitere Beschreibung des Bargteheider Modells zur Vernetzung von Jugendhilfe und
Schule stellen wir hier als Auszug aus der Magisterarbeit "Neue Wege des Lernens:
die Ganztagsschule als Lern- und Lebensraum unter Berücksichtigung sozialpädagogischer Handlungsfelder
in der Kooperation von Jugendhilfe und Schule" als PDF-Datei zur Verfügung.
Weitere Anfragen zur oben genannten Magisterarbeit beantworten wir gern per E-Mail.
Im Verlauf der Entstehung der Anne-Frank-Schule als Integrierter Gesamtschule mit Ganztagsbetrieb war Mitte der Neunziger Jahre die Planung und Errichtung eines sogenannten Ganztagszentrums ( kurz : GTZ ) seitens der Stadt Bargteheide als Schulträger beschlossen worden. Dieser Schulerweiterungsbau sollte einen Mensabereich, einen Mehrzwecksaal mit Bühne sowie drei verschiedene Gruppen- bzw. Hobbywerkräume beinhalten und im Schulzentrum räumlich unmittelbar an die Anne-Frank-Schule angebunden sein, um die Durchführung des Ganztagsbetriebes zu gewährleisten.
Politischer Konsens bestand jedoch darüberhinaus darin, dieses Objekt multifunktional zu nutzen und daher sowohl baulich umfassender zu planen als auch personell so auszustatten, dass sich das GTZ zu einer Vernetzungsschnittstelle zwischen allen im städtischen Schulzentrum angesiedelten Schulen , der Schulsozialarbeit und der offenen Freizeitjugendarbeit des städtischen Jugendzentrums entwickeln konnte.
Mit dieser erweiterten Funktion des Ganztagszentrums ist somit eine neuartige städtische Einrichtung mit dem Nutzungsschwerpunkt im Bereich schulischer und außerschulischer Jugendkulturarbeit entstanden.
Als Grundgerüst zur Vernetzung von Jugendhilfe und Schule stehen seit 1995 sowohl der Anne-Frank-Schule als auch drei weiteren Schulen in städtischer Trägerschaft insgesamt zwei Sozialpädagog/innenstellen ( mit jeweils 19,25 Std./ Wo.) für schulische Sozialarbeit zur Verfügung, die nach den unterschiedlichen Bedarfen der jeweiligen Schulen genutzt werden. Teilweise liegen die Schwerpunkte dieses Einsatzes in den Bereichen Organisation des innerschulischen Freizeitbereiches ( AFS ) oder aber in der pädagogischen Betreuung einer sog. Insel ( ENS ), generell an allen beteiligten Schulen jedoch in einer Beratungsfunktion für Schüler, Eltern und Lehrkräfte.
Mit Fertigstellung des Ganztagszentrums als Bindeglied zwischen schulischer und außerschulischer Jugendarbeit wurden alle pädagogischen Kräfte der städtischen Jugendarbeit gebündelt und zum Jahresbeginn 2000 unter dem neu gebildeten Dach des sog. Jugendarbeitsteams ( kurz: JAT ) organisatorisch zusammengefaßt.
Beide Schulsozialpädagogen arbeiten wir seither sowohl in unseren jeweiligen Schulen als auch für die städtische Jugendarbeit. Das dazu im Ganztagszentrum eingerichtete JAT-Büro dient somit als Koordinationsstelle für die Vernetzung von Jugendhilfe und Schule.
Ein koordiniertes Zusammenwirken aller neben Familie relevanten gesellschaftlichen Sozialisationsinstanzen von Schule über kommunale Jugendhilfe bis hin zu Vereinen und anderen Trägern freier Jugendhilfe soll nach unserer Zielsetzung die Knüpfung eines engmaschigen sozialen Netzes für Bargterheider Kinder und Jugendliche bewirken. Dieser praktizierte gemeinwesenorientierte Arbeitsansatz des JAT stellt bei uns die gesellschaftliche Forderung einer sozialen Kontrolle gleichberechtigt neben die Förderung zum eigenständigen Erwerb sozialer Kompetenzen.
Im Hinblick auf Vereine und andere Träger von Jugendhilfe handelt das JAT für die städtische Jugendarbeit nach dem Grundsatz: Kooperation statt Konkurrenz bzw. Ergänzung statt Verdrängung.
Neben uns beiden Schulsozialpädagogen gehören zum Jugendarbeitsteam ein weiterer Sozialpädagoge, zwei Erzieherinnen, eine sozialpädagogische Assistentin und ein Hausmeister für das GTZ - jeweils in Teilzeitbeschäftigung - sowie derzeit 11 sog. freie Mitarbeiter/innen, die als Übungsleiter bzw.-leiterinnen ehrenamtlich oder gegen Aufwandsentschädigung die Gruppenarbeit im Ganztagszentrum ermöglichen.
Die Einbindung einzelner Personen des festen pädagogischen Personals aus dem freiwilligen Jugendhilfebereich der Stadt Bargteheide in sowohl schulische als auch außerschulische Einsatzfelder bildet dabei die personelle Grundlage für eine gezielte strukturelle Vernetzung.
Bei der Angebotsentwicklung und -bereitstellung orientiert sich das Jugendarbeitsteam grundsätzlich an den tatsächlichen Bedürfnis- bzw. Interessenlagen der Kinder und Jugendlichen, welche für den Freizeitbereich u.a. durch Umfrage-Aktionen an den städtischen Schulen ermittelt werden. Ansonsten liefert mittlerweile selbstverständlich auch die Resonanz auf einzelne Themenvorschläge des Jugendarbeitsteams verwertbare Hinweise auf die allgemeine Akzeptanz sowie auf neue Trends und ermöglicht somit eine fortlaufende Aktualisierung des pädagogischen Programms.
Neben dem bereits vorhandenen Angebot eines sog. Offenen Treffs im Jugendzentrum der Stadt Bargteheide, das sich übrigens auch in unmittelbarer Nachbarschaft zum Schulzentrum befindet, werden im GTZ seitens des Jugendarbeitsteams ausschließlich Gruppenangebote unter fachlicher Anleitung durchgeführt. Wöchentlich laufen ca. 20- 25 Kurse. Unsere Angebotspalette reicht dabei von "Autogenem Training" über "Breakdance" oder verschiedenen Kreativworkshops ( wie z.B. Töpfern ) bis hin zu Internet- und diversen anderen PC-Kursen.
Grundsätzlich wird bei uns auch auf eine geschlechtsspezifische Arbeit mit Mädchen und Jungen - speziell im Bereich medienpädagogischer Angebote - ein besonderer Schwerpunkt gelegt.
Über die bereits praktizierte gezielte Förderung der Mädchen hinaus, werden wir zukünftig ebenso sinnvolle jungenspezifische Angebote konzeptionell entwickeln.
Mit der vorgenommenen Erweiterung der Angebotsstruktur unserer städtischen Jugendarbeit geht zugleich eine Ausweitung der Zielgruppen einher. Unsere neu konzipierten Neigungsgruppenangebote ( im Rahmen des sog. "Workshop- Programms" ) richten sich daher bereits an Kinder ab Eintritt ins Schulalter.
Sie werden je nach Themenstellung individuell auf unterschiedliche Altersgruppen ausgerichtet (z.B.: Mal- und Bastelwerkstatt für 6 - 8-Jährige, Breakdance für 12 - 16-Jährige usw.). Selbstverständlich erfolgt auch die Bereitstellung von familienergänzenden Betreuungsangeboten ( Bei uns : "Betreuter Mittagstisch" bzw. "Schularbeitenbegleitung" ) zielgruppenorientiert.
Die Freizeitgruppenarbeit unseres Jugendarbeitsteams findet hauptsächlich im zentral angesiedelten Ganztagszentrum, aber zunehmend auch in einzelnen Fachräumen der städtischen Schulen statt ( z.B. in Sporthallen, Informatikräumen oder Schulküchen ), was als ein weiterer Aspekt einer praktizierten Vernetzung von Schule und außerschulischer Jugendarbeit zu betrachten ist.
Die Anbindung von spaßorientierten Freizeitveranstaltungen für schulpflichtige Kinder und Jugendliche an die schulische Erlebniswelt ( d.h. Räume und handelnde Personen ) wird von uns als sinnvoll erachtet. Sie bietet u.a. die Möglichkeit, durch Leistungsdruck entstandene innere Verweigerungshaltungen gegenüber Schule leichter zu überwinden. Generell ist der Begriff "Schule" aus Sicht einer breiten Schicht der dort lernenden Schülerinnen und Schüler eher negativ belegt, da es sich beim Schulbesuch über lange Strecken der Schulzeit um eine Pflichtveranstaltung handelt, die eine Vielzahl unangenehmer Empfindungen auslösen kann.
Diesem Umstand soll und kann durch positiv motivierende Erlebnisangebote , die den individuellen Neigungen entsprechen, ausgleichend begegnet werden. Unser Prinzip, Neigungsgruppenkurse mit zeitlich überschaubarer Befristung als "Workshops" über jeweils max. lediglich 10 -12 Wochen durchzuführen, soll der allgemein zu verzeichnenden Tendenz zur Bindungsunwilligkeit seitens Kindern und Jugendlicher ( Stichwort: Allgemein rückläufige Zahlen beim Nachwuchs von Vereinen ) entgegenkommen und ohne dauerhafte Bindungsaufforderung einen niedrigschwelligen Einstieg für die entwicklungsförderlichen Gruppenerfahrungen erleichtern.
Im Arbeitsfeld pädagogischer Betreuungsangebote erfordert die Initiierung und Ausgestaltung zusätzlicher Angebotsformen eine gewissenhafte Analyse vorhandener Strukturen und eine ebenso konkrete Bedarfsermittlung.
Allgemein vernehmbaren Forderungen z.B. seitens beidseitig berufstätiger Eltern bzw. alleinerziehender Elternteile schulpflichtiger Kinder zufolge, fehlt es immer noch an flexiblen Betreuungsmöglichkeiten für Schulkinder. Entsprechend benötigte Angebote sollten dabei möglichst kostengünstig und teils nur tageweise nutzbar sein, um speziell auch bei zunehmend wahrgenommener Teilzeitbeschäftigung die familiären Versorgungslücken schließen zu helfen.
Da in Bargteheide seit längerer Zeit ein chronischer Mangel an Hortplätzen herrscht, versucht das Jugendarbeitsteam mit dem "Betreuten Mittagstisch" im Rahmen des Mensabetriebes sowie einer ebenfalls im Ganztagszentrum angesiedelten "Schularbeitenbegleitung" in dieser Zielrichtung bedarfsangepasste familienergänzende Angebote zu unterbreiten.
Neben rein schulischen Festen und Veranstaltungen der Anne-Frank-Schule, aber auch anderer in das Vernetzungskonzept eingebundener Schulen ( z.B. Schultheateraufführungen der Emil-Nolde-Schule oder schulübergreifender Abiturpartys ) wurden im Ganztagszentrum in den ersten drei Jahren seines Bestehens seitens des JAT eine Reihe unterschiedlicher Projektveranstaltungen für Kinder und/oder Jugendliche in den Bereichen Medienpädagogik‚ Förderung geschlechtsspezifischer Arbeit und Jugendkulturarbeit durchgeführt.
Das waren u.a.:
Diese Projekte sind, wie auch unsere neueren Workshopkurse "Lernwerkstatt" und "Autogenes Training für Kinder" nicht zuletzt durch die enge Kooperation der Jugendarbeit mit den Schulen entstanden, da die Schulsozialpädagogen durch die direkte Einbindung in die Schulen ( nicht erst seit der PISA-Diskussion ) schnell erfahren, wo die jeweils drängenden Probleme im Schulalltag liegen.
Wir betrachten unsere bisherigen Anstrengungen im Rahmen unseres Bargteheider Modells zur Vernetzung von Jugendhilfe und Schule als konsequenten Start eines Entwicklungsprozesses, der mittels Schulsozialarbeit als verbindendem Faktor Schritt für Schritt zu einer dauerhaften strukturellen Vernetzung von Jugendhilfe und Schule führen wird.
Mit der bewussten Verknüpfung unterschiedlicher Elemente der außerfamiliären Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen soll versucht werden, der wachsenden Notwendigkeit zur Sozialisation durch das Gemeinwesen besser gerecht zu werden.
Im gesamtgesellschaftlichen Interesse erscheint es für Jugendhilfe sinnvoll und geboten, dem fortschreitenden Bedeutungsverlust von Familie durch niedrigschwellige Präventiv- und gezielte Unterstützungsmaßnahmen aktiv zu begegnen.
Im laufenden Schuljahr 2002 / 2003 erhielt das Jugendarbeitsteam der Stadt Bargteheide für sein pädagogisches Programm im Rahmen der Förderung von Ganztagsangeboten an Schulen erstmals finanzielle Unterstützung durch das Land Schleswig-Holstein.
Ute Sauerwein-Weber Joachim Brodmann
Letzte Änderung: Sonntag, den 16. Januar 2005